Das neue Gemeindehaus

Martin-Luther-Str. 4

Das Konzept des neuen Gemeindehauses

Das Ordnen von Raum

Weinbauersaal 1
Bildrechte: Gerhard Bumann

Das neue Gemeindehaus ist fertig und wurde am 3. Oktober 2021 eingeweiht. Das Konzept hinter dem Um- und Neubau der Gemeinderäume ist zum einen die Zusammenführung von Kirche, Pfarramt und Gemeindehaus, zum anderen die Klarheit in der Architektur und Nutzung des Hauses. Zwischen die L-förmig angeordneten Bestandsbauten Kirche und Pfarrhaus wurde der Gemeindesaal gesetzt.

Wenn die Bibel zu Beginn schreibt: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde und die Erde war ein wüst und leer“, dann ist im Grunde genau so eine Situation vor Augen, wie wir sie mit Architekten, Planern, Bauleuten und Handwerkern die vergangenen Jahre hatten: Da ist etwas noch durcheinander und muss erst geordnet werden: Berge zu Bergen, Wasser zu Wasser, Himmel nach oben, fester Boden nach unten und und und. Gott räumt auf, damit ein Lebensraum entsteht, in dem der Mensch sich entfalten kann und möglichst sicher lebt. Das Wasser bleibt im Meer, der Himmel bleibt oben, die Tage hell, die Nächte dunkel. Am Anfang baute Gott Himmel und Erde.

Eingang Turm
Bildrechte: Gerhard Bumann

Die Architektur und Baukunst wiederholt schöpferischen Handeln, ordnet das Vorfindliche neu und schafft so Räume: Lebensraum, Arbeitsraum, Schutzraum, Denkraum, heiligen Raum. Das Leben und Arbeiten, das Denken und Feiern, das Schützen und Bergen ist nun die Aufgabe der Kirchengemeinde. Der Raum ist geschaffen. Der Inhalt ist frei. Der Architekt Bernhard Landbrecht, der mit seinem Büro den Um- und Neubau begleitet hat, meinte dazu: „Es ist wie mit einem Bücherregal. Da ist nun ein Platz für Bücher. Aber welche Bücher sie in welcher Reihenfolge dort hineinstellen, das bleibt völlig Ihnen überlassen. Der Inhalt ist nicht vorgegeben.“ 

Foyer
Bildrechte: Gerhard Bumann

Das neue Gemeindehaus hat die alten Begebenheiten mit neuen Möglichkeiten verbunden und geordnet. Der Keller ist für Technik, Ver- und Entsorgung. Das Erdgeschoss gehört der Gemeindearbeit, das Obergeschoss dient der Verwaltung und im Dachgeschoss ist die Pfarrwohnung untergebracht. Das klingt so klar und logisch, wie es sich nun auch anfühlt, war aber der entscheidende Kniff der Maßnahme. Auch die Verbindung und gleichzeitige Differenzierung von Kirchengebäude und  Gemeindesaal ist die gelungene Grundlage für das Gebäude. Der Weinbauernsaal ist nicht direkt an die Kirche angebaut. Das sonnendurchflutete Foyer zwischen den Räumen wirkt wie eine Gasse von der Bergstraße zur Martin-Luther-Straße und bildet zwischen Kirche und Gemeindesaal eine Schwelle, die beide Räume in ihrer Eigenständigkeit schützt und gleichzeitig verbindet. Die ehemaligen Außenwände von Kirche und Pfarrhaus bleiben in ihrer Gestaltung auch als Innenwände weiterhin ziegelrot und mit dem großen Außenputz versehen. Man erlebt, wie der Saal aus dem alten Zwischenraum erwachsen ist und neu zugeordnet wurde. Die neuen Möglichkeiten sind vielversprechend.
Micha Boerschmann, Pfarrer