Geschichte der Lutherkirche

1927 Einweihung der Lutherkirche
Bildrechte: Archiv der Lutherkirche

1927

Die Einweihung der evangelischen Lutherkirche im weitgehend evangelischen Giesing war am 11. November 1927 ein großes Ereignis: Neugierige Menschen saßen und standen „sogar auf den Dächern“, wie die Chronik vermerkt. Viele Münchner Pfarrer zogen in Talar in die neue Kirche. Die Freude war groß, dass die Protestanten auf den Giesinger Höhen in unmittelbarer Nachbarschaft der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche endlich auch eine eigene Kirche hatten. Bis dahin mussten sich die evangelischen Bürger, die meist als Handwerker und Beamte nach Giesing gekommen waren, für ihre Gottesdienste mit dem Turnsaal der Kolumbusschule begnügen.

1927 Am Kirchenportal bei der Einweihung
Bildrechte: Archiv der Lutherkirche

Um diese Notlage zu beheben, bildete sich der „Evangelische Verein München Giesing“ und erwarb 1926 ein geeignetes Grundstück, auf dem dann schnell die Kirche in die Höhe wuchs. Die Pläne dafür lieferte der damalige Münchner Stadtbaudirektor Hans Grässel, der auch die Agilolfinger-Schule in Untergiesing und Gebäude auf den Münchner Friedhöfen entworfen hat. Namenspatron des neuen Gotteshauses wurde der Reformator Martin Luther, auf den bronzenen Türflügel des Eingangsportals sind einige seiner berühmten Thesen eingraviert, unterhalb der Orgel schaut ein marmorner Lutherkopf in das hohe Kirchenschiff und auf die Gemeinde. 

1943 zerstörte Lutherkirche
Bildrechte: Archiv Lutherkirche

1943

„Die Nacht vom 6. auf den 7. September brachte den Brand und die Zerstörung der Kirche. (...) Eine Stabbrandbombe hatte Dach und Decke durchschlagen und war auf das Gestühl gefallen, konnte aber durch Schutzleute bald gelöscht werden. Anders verlief der Einschlag einer Phosphorbombe, die nach nachträglicher Auffindung des Kanisters ein Gewicht von 17 kg besaß. Diese Bombe blieb in der Holzdecke der Kirche stecken und entfachte sogleich einen starken Brand im Fehlboden, vor allem aber auch eine starke Rauch- und Gasentwicklung (...). Pfarrer Alt war inzwischen in die unserer Kirche vorgebaute elektrische Unterstation geeilt und hatte um Hilfe gebeten. Es wurde von dort auch ein großer Feuerwehrschlauch an den vor der Kirchentreppe befindlichen Hydranten angeschlossen. Pfarrer Alt und Stadtkirchner Oehme schleppten den Schlauch durch die nordöstliche Kirchentüre herein und brachten das Anfangsstück bis zum Altar, aber das Wasser hatte keinen Druck, es plätscherte nur auf den Boden herab, statt mit starkem Strahl die helllodernde Decke zu erreichen und zu löschen.“ (aus dem Bericht von Pfarrer Alt)

Lutherkirche nach dem Wiederaufbau 1953
Bildrechte: Archiv Lutherkirche

1953

Erst 1953 konnte sie wieder in die nahezu neugebaute Lutherkirche zurückkehren.

Umbau Lutherische 1989
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1989

Ihre heutige Gestalt bekam die Kirche durch umfassende Umbaumaßnahmen 1989. Dabei sind die Kunstwerke erhalten geblieben: Ein von Helmut Ammann geschaffenes Kruzifix, das filigran vor dem Kreuz schwebt als Symbol für die Auferstehung von Jesu Christi und die ebenfalls von diesem renommierten Künstler entworfenen Glasfenster im Chorraum mit der Darstellung des „Himmlischen Jerusalem“, die je nach Sonnenlicht in immer anderen Farben leuchten. Die Kunstwerke laden zu Besinnung und inneren Einkehr ein und empfehlen einen Besuch der Lutherkirche – nicht nur am Sonntag!