Lutherkirche stellt Weichen für die Zukunft

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Kirchenvorstand informiert bei Gemeindeversammlung über Planungen und Vorhaben

von Achim Schmid,
Vertrauensmann des Kirchenvorstands

 

Die erste Gemeindeversammlung im Weinbauern-Saal unseres neuen Gemeindehauses stand unter dem Motto „Luther im Wandel“. Die Einladung zur Versammlung erging an alle Gemeindeglieder, 38 Besucher:innen haben ihr Folge geleistet.
Auf dieser Versammlung informierte der Kirchenvorstand über erfolgte Maßnahmen der letzten Jahre, aber auch überÜberlegungen und konkrete Planungen, wie die Lutherkirche „zukunftssicher“ gemacht werden soll – vor allem angesichts gesellschaftlicher Veränderungen und zurückgehender Mitgliederzahlen. Eine gute Einführung in den Abend lieferten die Konfis von Luther- und Philippuskirche, die in der Andacht zu Beginn ihre Vorstellungen von der Kirche der Zukunft beschrieben – mit Hochbeeten im Innenhof, blauem Kirchturm, Licht, Gemeinschaft, Zuhören und Mitgestaltung.

 

Neue Räume und neue Möglichkeiten

Neues Gemeindehaus
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Den ersten Punkt der Tagesordnung illustrierte bereits der Versammlungsort – der Weinbauern-Saal des neuen Gemeindehauses. Für den Kirchenvorstand erinnerte Moritz Holzapfl nochmals kurz an die Ausgangssituation mit Kirche und Pfarrhaus bzw. Pfarramt auf der einen und Gemeindehaus auf der anderen Seite der Martin-Luther-Straße: Das alte Gemeindehaus, der „Weinbauer“, war in die Jahre gekommen und hatte einen dringenden Sanierungsbedarf, die vielbefahrene Martin-Luther-Straße wurde immer mehr zu einer Barriere zwischen Gemeindehaus und Kirche. Deshalb hatte sich ein früherer Kirchenvorstand nach langen Beratungen dazu entschlossen, ein modernes, funktionsgerechtes Gemeindehaus inklusive Pfarramt und Pfarrwohnung auf der Kirchenseite zu konzentrieren. Voraussetzung und Bedingung war allerdings, dass das Weinbauern-Grundstück in Erbpacht vergeben werden sollte, um im Gemeindebesitz zu bleiben, und die neue Nutzung einem kirchlich sinnvollen Zweck folgen sollte.
Inzwischen sind die Baumaßnahmen weitgehend abgeschlossen, die Finanzierung der Baukosten in Höhe von 6,3 Millionen Euro ist durch Zuschüsse von Landeskirche und Dekanat und Eigenmittel aus der Vergabe des Weinbauern-Grundstücks in Erbpacht gesichert. Für die Gestaltung geeigneter Jugendräume stehen im Rahmen der Baukosten noch 150.000 Euro zur Verfügung. Wie Kirchenvorsteher Holzapfel anhand von Bauplänen erläuterte, sind weder die Jugend noch der Kirchenvorstand von den bisherigen Planungen überzeugt, vor allem die vorgesehene Wendeltreppe zwischen zwei Stockwerken ist teuer und nimmt viel Platz ein. Hier muss nachgebessert werden.
Aber auch im und am Kirchengebäude ist Handlungsbedarf: Die Fassade braucht dringend einen neuen Anstrich, der inzwischen schon arg ramponierte Teppich muss ausgetauscht werden, ein sinnvolles Beleuchtungskonzept soll neue Möglichkeiten für die Nutzung des Kirchenraums eröffnen und  eine neue Lautsprecheranlage für besseren Ton und Klang sorgen. Außerdem muss die Orgel technisch modernisiert und auf einen zukunftsfähigen Stand gebracht werden. Der Kirchenvorstand ist gerade dabei, für alle diese schon lange anstehenden Maßnahmen Konzepte und Kostenvoranschläge einzuholen. Die gute Nachricht ist, dass die Kosten bereits weitgehend durch entsprechende Rücklagen abgedeckt sind.

 

Gemeindestrategie: Kirche attraktiver machen

Um in Zukunft mehr Menschen in Giesing zu erreichen, ist der Kirchenvorstand dabei, eine „Gemeindestrategie“ zu entwickeln, die Pfarrer Micha Boerschmann erläuterte. Als Voraussetzung dafür hat der Kirchenvorstand mithilfe externer Beratung die Zusammensetzung der Bevölkerungsstruktur in Giesing und in der Luthergemeinde analysiert: Nach dem „Sinus“-Modell, das die Lebenswelten verschiedener Gruppen abbildet, gehören die meisten Menschen in Giesing und damit auch in der Luthergemeinde zum „Neo-ökologischen"-Milieu(Menschen, die einen umweltbewussten, nachhaltigen Lebensstil pflegen), zum „Adaptiv-pragmatischen“-Milieu (Menschen, die leistungsorientiert sind und sich gut an die jeweiligen Gegebenheiten anpassen) oder zu den „Expeditiven“ (Menschen, die mobil leben wollen und gerne etwas Neues ausprobieren). Die Anzahl der eher traditionell ausgerichteten Menschen mit einer großen Kirchennähe ist verschwindend gering und wird in Zukunft noch weiter abnehmen. Direkt auf die Lutherkirche bezogen, sind über die Hälfte der Gemeindemitglieder Singles; die stärkste Altersgruppe mit fast 1.900 Personen sind die 21 bis 35-Jährigen.
Um Menschen aus diesen zuerst genannten  neuen „Milieus“ über die traditionell kirchlich orientierten  und gebundenen Gemeindemitglieder hinaus zu erreichen, ist – so Pfarrer Boerschmann - eine grundlegende „Perspektiverweiterung" im Hinblick auf kirchliche Angebote und Veranstaltungen nötig. Dabei werden jedoch die bisherigen „Klassiker“ wie Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen, Taufen, Trauungen, Beerdigungen, Konfirmandenarbeit, Kirchenmusik und der Gemeindebrief nach wie vor im kirchlichen Angebot bleiben.

 

Werte als Orientierung für das Angebot von Luther

In einem ersten Schritt hat sich der Kirchenvorstand auf Werte verständigt, an denen sich die Lutherkirche ausrichten will und die die Grundlage ihres Handelns und ihrer Angebote sein soll. Zu diesen zählt als übergeordneter Begriff der „Zukunftsoptimismus", wie Kirchenvorsteher Dr. Florian Büttner erläuterte. Denn in einer Zeit, in der immer mehr Menschen Hoffnung und Orientierung suchen, könne die biblische Botschaft genau diesen Zukunftsoptimismus vermitteln. Unter der Überschrift dieses christlichen Optimismus nannte Florian Büttner als weitere Werte ein „Sinnerfülltes Leben“, „Ökologie“ als Bewahrung der Schöpfung, „Gemeinschaft“, „Weltoffenheit und Toleranz“ und „Diversity“, das Bekenntnis und den Wunsch, dass alle Menschen, egal welcher persönlichen Prägung, in Luther willkommen sind. Das Bemühen um eine geschlechtersensible Sprache soll demnach auch verstärkt werden.

 

 

Umsetzung: Kooperation mit Philippus

Die bereits gelebte Praxis der Kooperation behandelte schließlich der letzte Tagesordnungspunkt der Gemeindeversammlung: die konkrete Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Philippus. Dabei sollen, wie Pfarrer Boerschmann betonte, die Eigenständigkeit und die jeweiligen Profile der beiden Gemeinden erhalten bleiben, die drei Pfarrer:innen (zwei an Luther, eine an Philippus) und zukünftig ein Diakon oder eine Diakonin für beide Gemeinden allerdings eng zusammenarbeiten. So machen bereits die geänderten Gottesdienstzeiten, die zeitversetzte Gottesdienste in Luther und Philippus vorsehen, es möglich, dass ein Pfarrer beide Gottesdienste mit der selben Predigt, aber unterschiedlicher Liturgie halten kann.

 

Ihre Stimme für die Kirche

Kirchenvorstandswahl 2024 - Plakat Kandidier für neue Wege
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Zum Abschluss des Informationsteils der Gemeindeversammlung wies Kirchenvorsteherin Henrike Steen auf die Kirchenvorstandswahl am 20. Oktober hin. Alle wahlberechtigten Gemeindemitglieder bekommen automatisch Unterlagen für eine Briefwahl zugesandt. Wer seine Stimme persönlich abgeben will, kann das in einem Wahllokal tun, das eine Stunde vor und eine Stunde nach dem Gottesdienst geöffnet ist. Kandidatinnen und Kandidaten für dieses wichtige Leitungsgremium sind sehr willkommen und mögen sich bis zum 15. Mai beim Vertrauensausschuss melden.

 

Anregungen für den Kirchenvorstand

In der anschließenden Diskussion, die von der neuen Philippus-Pfarrerin Christine Glaser, die als Dekanin auch überregionale Verantwortung trägt, souverän moderiert wurde, 

  • äußerten Gemeindemitglieder den Wunsch nach vielfältigeren Gottesdienstformen, 
  • erinnerten daran, dass auch die Kirchenfenster in die Sanierung miteinbezogen werden sollten, 
  • regten neue Formen der Kommunikation an, vor allem auch für jüngere Menschen, 
  • fragten nach der Bedeutung von „Nachbarschaftsräumen“ für die kirchliche Arbeit, 
  • empfahlen Kooperationen mit anderen evangelischen Akteuren, wie etwa der theologischen Fakultät der LMU, 
  • schlugen Spendenaktionen für die Renovierung der Orgel vor und 

wiesen darauf hin, dass auch Menschen mit Gehbehinderung Unterstützung beispielsweise für den Weg von Untergiesing zur Kirche brauchen könnten.
Der Kirchenvorstand sicherte zu, sich mit allen Anregungen und Wünschen zu beschäftigen.